Rund um das Wallonische Venn
Nach der letzten Eiszeit entstanden vor 10000 Jahren Wälder, die auch Eifel und Ardennen bedeckten. Nur an den höchsten Erhebungen, auf besonders sumpfigen Böden konnte kein Wald wachsen. Als der Mensch nach und nach auch diese Urlandschaften besiedelte, veränderten sie diese Landschaft. Durch weiträumig angelegte Gräben und Anpflanzungen verschwanden die Sumpf und Moorgebiete immer mehr und schrumpften bis auf wenige Vennstücke zusammen. Im Hohen Venn konnte man einen letzten Rest Urnatur retten. So vermitteln nur noch das Wallonische Venn, das Hohe und das Große Moor immer noch etwas von der Weite und der Einsamkeit.
Es ist keine gewöhnliche Wanderung, die wir hier in aller Abgeschiedenheit erleben. Zu verdanken ist dies einer ungewöhnlich fremdartig wirkenden Landschaft, die auf weiten Strecken an die Hochmoore Schottlands und Lapplands erinnert.
Ins Hilltal
"Priorkreuz" so weit die Füße tragen "Hohes Moor"
Dieses Kreuz wurde 1605 auf Betreiben des Priors von Malmedy festgesetzt, daher auch der Name „Priorkreuz“. Das jetzige Kreuz wurde 1950 neu errichtet. Es ist nur aus einiger Entfernung zu sehen und so wandern wir gezwungernermaßen weiter geradeaus bis ein Holzsteg beginnt. Vor uns ragt der belgisch-preußische Grenzstein "156" aus dem Boden. Hier liegt auch eine der beiden, heute im dichten Gras nicht mehr erkennbaren Hillquellen, die früher mit Holzbalken eingefasst war. Aber das Wasser des ganzen Areals sammelt sich letztendlich in eine tiefere nach Nordost geneigten Bodenmulde zu dem kleinen Hillbach. Nun erreichen wir eine Stelle, wo der Zugang zum Venn, wenn eine rote Fahne hier weht, gesperrt ist. Sie fasst verschiedene mögliche Gefahren zusammen. Besonders bei längeren Trockenperioden können die obersten Vegetationsschichten leicht Feuer fangen. Dabei reicht eine einzige weggeworfene Zigarette für einen verheerenden Vennbrand. Wege, die am Rande des Hohen Venns verlaufen und auch der Naturpfad des Poleur-Venns, sind nicht betroffen und zugänglich. So kann der Wanderer, hier bei gehisster Fahne am Rande des Venns entlang zum "Signal de Botrange" und von dort entlang des Poleur-Venns trotzdem weiter die Vennlandschaft erwandern.
Heute ist keine rote Fahne gehisst und so können wir unsere geplante Wanderung rund um das Wallonische Venn fortsetzen. Es ist ein Weg bzw, ein Pfad entlang der wachsenden Hill, der durch ein rechts und links liegendes geschütztes Gebiet verfäuft. Schon nach wenigen hundert Metern gluckert unter uns das Wasser mit dem sich auch der Steg über sumpfigen Boden leicht abwärts in eine Geländemulde windet, wo die Hill sich nun als fließender Bach zu erkennen gibt. Schließlich ist der Hillbach so angewachsen, dass er eine eigenständige Grenze markieren konnte. Denn nach der Bachüberquerung treffen wir mit dem belgisch-preußischen Grenzstein 157, den letzten dieser Steine. Diese Stelle wird auch „Trois Bornes“ genannt, weil im Umfeld noch zwei weitere alte Grenzmarken zu finden sind. Der Zweite liegt vor der Hillüberquerung links auf der anderen Bachseite, kaum im Gras zu erkennen. Im Wiener Kongress 1815 wurden hier drei Grenzen (Dreikantenstein) zwischen dem Königreich der Niederlande (KN) und den Gemeinden Bütgenbach (B) und Weismes (W) festgelegt. Bei dem dritten Stein handelt es sich um einen Maria-Theresien-Stein von 1756, der die Grenze zwischen den Herzogtümern Luxemburg und Limburg kennzeichnete, aber nur für Kenner zu entdecken ist.
Die junge Hill verbrannte Bäume "Marie-Anne Libert Brücke"
Unser Weg führt nun ständig an der Hill entlang, abwechselnd über Stege und schmale Pfade zwischen toten Bäumen und abgestorbenen Sträuchern. Sie zeigen noch die Spuren des Vennbrandes vom April 2011, bei dem auch viele Kilometer Holzstege zerstört wurden. Der Steg entlang der Hill ist mittlerweile neu angelegt und das Moor hat sich schon wieder regeneriert. Die Hill hat inzwischen ein kleines Tal geschaffen und die Bäume werden immer zahlreicher. Über Wurzeln und Felsblöcke sowie matschigen Passagen erreichen wir die erste Brücke, die nach der einstigen Besitzerin der „Ferme Libert“ und Botanikerin Marie-Anne Libert benannt ist. „Rackesprée nennt sich dieses Gebiet. Hier wurde im 17. und 18. Jh. ein herbstlicher Viehmarkt abgehalten. Wir überqueren, dem Wegweiser „Botrange 5,8km, Baraque Michel 9km“ folgend, die Hill und wandern auf dem Pfad (rot/weiße Markierung) hinauf zum Rand des „Wallonischen Venns“. Über eine breite Schneise geht es am Vennrand unmerklich aufwärts. Es ist oftmals etwas unheimlich, wenn man bei jedem Schritt spürt wie der Boden unter den Füßen nachgibt. Der Blick schweift hier wieder weit über das Wallonische Venn hinüber zum "Signal de Botrange". Nach 500m knickt der Weg links ab und wir wenden uns vor dem Wald wieder rechts am Vennrand entlang. Bei dem nächsten Waldstück orientieren wir uns nach rechts und wandern hier weiter auf der Vennschneise, rechterhand immer der weite Blick über das Venn. Beim nächsten Rechtsschwenk entdecken wir links Birkhühner beim Balzritual. Schön wäre es. Aber es handelt sich nur um Attrappen mit denen wir uns zufrieden geben müssen. Das Birkhuhn ist, wie überall in Europa, so auch im Hohen Venn sehr selten geworden und nur ein paar wenige Exemplare können sich mit Mühe halten. Insbesondere während der Paarungszeit brauchen diese Tiere Ruhe.
entlang des Wallonischen Venns Birkhuhn-Attrappen Moortümpel
Der Weiterweg ist stellenweise sehr matschig und rechts entdecken wir im Gras auch einen kleinen Moortümpel. Ein Schild weist auf das Life-Projekt hin, das hier bis 2012 Maßnahmen durchgeführt hat, um das in Europa einmalige Hochmoor des Hohen Venns wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. Durch die Bewirtschaftung des Venns und vor allem die Fichtenanpflanzungen in der Vergangenheit waren die Heide- und Moorgebiete erheblich zurückgedrängt worden. Am nächsten Wegeknick erläutert eine Informationstafel diese Maßnahmen. Hinter der Tafel können wir einen Blick auf einen kleinen Moortümpel werfen. Der Wegweiser „Botrange 4km, Baraque Michel 7km“ zeigt uns den weiteren Weg entlang dem Waldrand, der uns auch die nächsten Kilometer begleiten wird. Auf der breiten Randschneise geht es schnurgerade leicht abwärts zur jungen Rur. Rechts erkennt man Auswirkungen des Life Projekts. Man hat das Pfeifengras und die oberste Bodenschicht abgefräst und das Material senkrecht zum Hang aufgehäuft. Die entstandenen kleinen Dämme sollen so das Wasser zurückhalten. Diese Bereiche fördern die Entwicklung anderer für Torfböden typische Pflanzenarten, wie Wollgräser, Seggen und Torfmoose. Es wäre schön und wirkungsvoll, wenn einige Wasserflächen das monotone Grün unterbrechen würden, aber nach dem vergangenen trockenen Sommer 2013 sind viele Feuchtflächen trocken.
Vennwack Einheimischer "Lothringer Kreuz"
Wallonisches Venn
Am Vennrand entlang gelangen wir zu einer Aussichtplattform. Die Schautafel erläutert die vor uns liegende Landschaft. Weit schweift der Blick über das fast baumlose Quellgebiet der Rur bis zu den bewaldeten Höhenrücken am Horizont. Links ragen die markanten toten Baumstümpfe des "Noir Flohai" in den Himmel. Hinter uns liegt „Botrange“ mit 694m der höchste Punkt Belgiens. Auch hier ist eine Einkehr möglich. Anschließend ist von Botrange der Rückweg entlang des Poleur-Venns möglich.
Signal de Botrange, höchster Punkt Belgiens Beerensammler weite Einsamkeit am Rande des Venns
Der Weiterweg entlang des Wallonischen Venns führt zwischen Wald und Venn abwärts bis zu einer Wegbarriere, wo es 200m nach links und anschließend wieder am Waldrand entlang auf der „Maria-Theresia-Allee“ bis zu einem Grenzstein mit den Buchstaben „LUX“ auf der Vorderseite und „LIMB“ auf der Rückseite geht. Diese Steine wurden während der Regierungszeit der österreichischen Kaiserin gesetzt, denn seit 1749 gehörte Limburg zu Österreich.
Vor dem Grenzstein wenden wir uns dem hier links abbiegenden Weg zu, der weiter am Waldrand entlang, dann schließlich auf unseren Hinweg stößt, von wo wir nach 700m noch vorbei an dem belgisch preußischen Grenzstein "155" wieder unseren Ausgangspunkt erreichen.
Schwierigkeit: leichte Wanderung, kaum merkbare Höhenunterschiede, Holzstege können bei Feuchtigkeit glatt und rutschig sein und nach Regentagen ist mit matschigen Pfaden zu rechnen. Auf- und Abstiege 160m,
Moortümpel
GPX - Track: (speichern unter)
Alternativer Rückweg von Botrange entlang Poleur-Venn nach Baraque Michel


















